Jeder Faktor, der in den FangScore einfließt — mit Evidenzklasse, artspezifischer Gewichtung und der Frage: warum eigentlich?
Steigende Pegel treiben Kleinfische in Uferbereiche – Räuber folgen. Fallende Pegel: Fische ziehen in Kanten und Tiefrinnen. Der 6h-Δ-Wert ist entscheidender als der Absolutwert. Datenquelle: PegelOnline WSV.
Hohe Abflussrate erzeugt Kehrwasser hinter Buhnen – klassischer Zander-Hotspot. Sehr hohe Rate (Hochwasser) zwingt Fische in Deckung. Relativ zum stationsabhängigen Mittelwert MQ berechnet.
Wichtigster Einzelfaktor. Hecht-Optimum 12–18°C, Zander 16–20°C, Barsch 18–22°C. Asymmetrische Gaußkurve: Kältetoleranz höher als Hitzestress-Toleranz. Hokanson 1977, Frisk et al. 2012.
Großes positives ΔT (Luft >> Wasser) hemmt Durchmischung und Sauerstoffeintrag. Kleines ΔT = optimale Konvektion. Berechnung aus Open-Meteo Lufttemperatur und Pegelonline WT.
Kenterpunkt (Hochwasser/Niedrigwasser-Umkehr) = Strömungsstille → Sediment setzt sich ab → Raubfisch-Aktivität steigt. Nur aktiv wenn Tidegewässer erkannt (Weser, Elbe, Ems, Eider und Nebenflüsse). Datenquelle: PegelOnline WSV.
Kein direkter Messwert verfügbar – O₂ wird aus Wassertemperatur, Windstärke, Abfluss und Trübung modelliert. Unter 3 mg/l: Score-Deckel aktiv (max. 20). Hard-Cutoff biologisch belegt.
Starker Regen der vergangenen 48h erhöht Trübung mit Zeitverzögerung und beeinflusst Pegelstand. Kurzfristig positiv durch Nahrungspartikel, längerfristig negativ durch Trübungsanstieg.
Im Sommer bildet sich in Seen eine Temperatursprungschicht. Raubfische halten sich knapp oberhalb auf, wo O₂ noch ausreichend ist. Faktor nur aktiv bei Gewässertyp SEE in Sommermonaten.
Lichtstärke am Gewässerboden aus Sonnenwinkel, Bewölkung und Secchi-Tiefe berechnet. Zander-Optimum 0–10 Lux (Tapetum-Vorteil). Hecht und Barsch tolerieren mehr Licht. Didrikas & Hansson 2009.
Secchi-Tiefe als Proxy für Lichtdurchdringung. Zander-Optimum 0,3–1,0 m ("Milchkaffeebraun"). Barsch bevorzugt klares Wasser (>2 m). Gewässertypabhängige Baseline-Berechnung – Tideflüsse deutlich trüber als Seen.
Dämmerungsaktivität ist artenspezifisch dokumentiert. Hecht und Barsch aktiv auch tagsüber. Zander ausgeprägt dämmerungsaktiv. Goldene Stunde vor Sonnenuntergang konsistent der stärkste Auslöser. Didrikas & Hansson 2009.
Kurzfristiger Druckabfall aktiviert Raubfische (Druckwechsel-Reflex). Sehr starker Abfall (<−8 hPa/6h): Hard-Cutoff, Score max. 25. Studienlage uneinheitlich, biologisch plausibel.
Längerfristiger Drucktrend. Stabiler Hochdruck über 2–3 Tage korreliert mit guten Bedingungen. Zusammen mit F13 in Anti-Double-Counting-Gruppe: nur höchstes Gewicht zählt im Nenner.
Auflandiger Wind reichert Nahrungspartikel an Lee-Ufern an. Starker Wind vermindert Jagderfolg durch Wellengang. Spotspezifische Exposition aus OSM-Geometrie berechnet.
Aufeinanderfolgende Nächte unter 0°C verlangsamen Beutefisch-Aktivität mit Zeitverzögerung. Anglerwissen, biologisch plausibel, keine kontrollierte Studie.
Wassertiefe aus OSM depth-Tag. Artenspezifisch: Zander 4–8 m optimal, Hecht und Barsch flexibler. Faktor aktiv wenn OSM-Tiefenangabe vorhanden.
Buhnen, Wehre, Steinpackungen, Stege, Totholz – aus OSM-Tags extrahiert. Aktiviert Kehrwasser-Bonus in F02 und artspezifische Strukturgewichtung. Zander: Kolk und Strömungsschatten. Hecht: Vegetation und Deckung.
Temperaturbasierte Laicherkennung. Hecht laicht bei 6–10°C, Zander 10–15°C, Barsch 10–14°C. Während aktiver Laichzeit sinkt die Bewertung artspezifisch, ohne pauschale Obergrenze — ein früherer Score-Deckel von 40 wurde entfernt, weil er belegte Gegeneffekte wie die nächtliche Zander-Aktivität unterdrückte. Argillier 2012, Casselman & Lewis 1996.
Modelliert aus Wassertemperatur und Lichtverhältnissen. Wenn Kleinfische aktiv sind, sind Raubfische aktiv. Zusammen mit F03 und F20 in Temperatur-Gruppe (Anti-Double-Counting).
Schiffsverkehr auf Bundeswasserstraßen erzeugt Wellenschlag und Trübungsimpulse – kurzfristig negativ, mittelfristig aktivierend durch aufgewirbeltes Substrat. Nur aktiv an Bundeswasserstraßen.
In keiner kontrollierten Studie mit Süßwasser-Raubfischen ein signifikanter Einfluss nachgewiesen. Bewusst nicht implementiert.
Detaillierte digitale Geländemodelle (DGM-W) wären ideal für Tiefenprofile – existieren aber als freie API für deutsche Gewässer nicht. Grobe Tiefe aus OSM-Tags stattdessen (F18).